Medizinhistorischer
Rückblick II
Aus der Fülle wissenschaftlicher Themen sollen hier exemplarisch nur die Entwicklung der Zystoskopie und der Prostataresektion die Entwicklung der Urologie demonstrieren.
Bereits um 300 v.Chr. lieferte Herophilos von Kos eine anatomische Beschreibung der Prostata und Aristoteles verwendete die Worte "varicose parastatus glandulus" für die an der Vorsteher-Drüse gelegenen Samenblasen. Über die Jahrhunderte wurden später teils abenteuerlich gefährliche Techniken praktiziert, um wegen einer Harnverhaltung durch eine vergrößerte Prostata die Blase zu katheterisieren oder zu punktieren.
Erst 1761 beschrieb G. Battista Morgagni, der Begründer der pathologischen Anatomie, die Prostatavergrößerung ausführlicher. Ebenfalls in das 18. Jahrhundert fällt die Entwicklung des ersten elastischen Blasenkatheters aus Kautschuk. Viele der bedeutenden Katheterhersteller des 19. Jahrhunderts sind heute noch namentlich mit ihren Produkten verbunden: J.-F.-B. Charriere (1803-1876), Louis A. Mercier (1811-1882), A. Nelaton (1807-1873) G. Tiemann oder F. Foley (1891-1966), der Erfinder des Ballon-Katheters.
Trotz erster Vorläufer unserer heutigen chirurgischen Verfahren in der Mitte des 18. Jahrhunderts führten erst die grundlegenden Erkenntnisse des 19.Jahrhunderts in der Narkose, bei der Antisepsis und in der Bakteriologie zu einer Zunahme der Erfolgsaussichten bei einer Prostata-Operation. Anfänglich gab es zahlreiche Bemühungen um den optimalen Zugangsweg zur Prostata. Von perineal wurden lange nur Teilresektionen (Ch.A.Th. Billroth 1867) durchgeführt; die erste komplette Prostatektomie hielt erst Ende des 19.Jh. durch G.Goodfellow Einzug in die Praxis. Die erste retropubische Prostatektomie wurde 1908 von W.J.v.Stockum vorgestellt, fand aber erst nach 1945 durch T.J.Millin weitere Verbreitung. Zum dominierenden Zugangsweg wurde langfristig der suprapubische mit Eröffnung der Harnblase, der sich zuvor schon als idealer Zugang zur Steinentfernung etabliert hatte. Durch die Modifikation der Technik von E.Fuller und GP.J.Freyer durch H.Harris und Th.Hryntschak wurde die Operation komplikationsärmer und die Mortalität sank erstmals unter 3%. Nach der Publikation von 1951 wurde diese Methode, bei der die Harnblase über einen Schnitt zwischen Bauchnabel und Beckenknochen eröffnet und die Prostata-Vergößerung aus Ihrer Organkapsel herausgelöst wird, zum Standard.
Die Idee, die vergrößerte Prostata ohne Hautschnitt durch die Harnröhre zu operieren, entstand bereits 1840. Die Versuche scheiterten allerdings an den starken Blutungen, da man noch nicht unter Sicht arbeiten konnte und es noch keine Techniken zur Blutstillung gab.